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2050 gibt es 67 Millionen Europäer weniger

Geronimo | 3. Mai 2007

Die Weltbevölkerung wächst in den komenden 43 Jahren auf mehr als neun Milliarden Menschen. Am schnellsten nimmt die Zahl der Menschen in den Entwicklungsländern zu. Der Durchschnittsmensch der Zukunft ist arm - und alt.

Das Ende der Welt ist schon auf viele Weise beschworen worden: Klimakatastrophe, Krieg oder Meteoriteneinschlag. Den Untergang durch eine Überbevölkerung hervorzurufen, war bislang noch nicht so oft dabei. Das könnte aber nach den Zahlen der Vereinten Nationen zur Entwicklung der Weltbevölkerung, die in Berlin präsentiert wurden, sogar die Wahrscheinlichste sein. Die Erde hat nach Angaben der Studie zurzeit schon 6,7 Milliarden Bürger. Im Jahre 2050 würde sich die Zahl stellenweise verdoppeln und sogar verdreifachen: 9,2 Milliarden Menschen seien es dann insgesamt, hieß es bei der Pressekonferenz.

“Amerikanische Professoren gehen davon aus, dass die Welt mit elf Milliarden Menschen an ihre Grenzen stößt”, sagte der Bevölkerungswissenschaftler Carl Haub, der den demografischen Bericht der Vereinten Nationen neben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) vorstellte. Natürliche Ressourcen wie Wasser, Ackerland und Wälder wären dann aufgebraucht. In 100 Jahren könnte es soweit sein, jedenfalls in manchen Gebieten. Denn das Wachstum ist nicht überall gleich stark.

Von der Pyramide zur Flasche

Vielmehr bestehe der Bevölkerungsanstieg fast ausschließlich in den Entwicklungsländern. In Staaten wie Afghanistan, Uganda, Niger oder Kongo, würde sich die Zahl bis 2050 zwar verdreifachen. In den Industrieländern bliebe sie hingegen gleich. Und vor allem besorgniserregend: In Europa geht die Bevölkerungszahl sogar zurück. 67 Millionen Europäer werden es, laut Studie, weniger sein. Ein Trend der sich schon seit den späten sechziger Jahren andeutet. Bereits 1995 habe es hier weniger Kinder als Alte gegeben, belegt die DSW. Die obligatorische Bevölkerungspyramide muss bereits jetzt in einer Bevölkerungsflasche umgezeichnet werden: wenig junger Nachwuchs, etwas mehr Menschen im mittleren Alter und wieder etwas weniger Alte.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass sich in 43 Jahren die über 60-Jährigen von 673 Millionen auf zwei Milliarden verdreifachen werden, dass bei einer gleichbleibenden Geburtenrate. Die Gegenmaßnahme vieler Industrienationen ist es daher, Migranten aufzunehmen, die ihr junges Blut unter das Volk bringen. Auch Deutschland gehört mit jährlich 150000 Einwanderern zu dieser Gruppe. Aber das war bislang sicherlich eine Lösung, die auch viel Konfliktpotenzial in sich barg.

Die Zahlen der Vereinten Nationen verheißen aber auch für die Entwicklungsländer nichts Gutes. Schon heute sind Gesundheits- und Bildungssystem in den Staaten überfordert. Mehr Menschen bedeuten noch mehr Armut. Aber der schlichte Hinweis darauf, dass die Menschen dort einfach weniger Kinder bekommen sollten, ist in der Praxis nicht leicht durchzusetzen, wenn man die weiteren Angaben der DSW betrachtet: Nicht alle Neugeborenen seien auf ungewollte Schwangerschaften zurück zuführen. In Uganda wären etwa unter sieben geborenen Kindern mehr als fünf Wunschkinder gewesen.

Nur sieben Kondome pro Jahr

Dennoch plädiert die DSW auf eine bessere Aufklärung. Die Pressesprecherin der Stiftung Catherina Hinz sagte, dass ein besserer Zugang zu Verhütungsmethoden geschaffen werden müsste, denn viele Frauen würden sich schützen, wenn sie denn nur könnten. “Mit den Geldern die für solche armen Länder zur Verfügung stehen, können im Jahr nur sieben Kondome pro Mann finanziert werden”, sagte Hinz. Das sei zu wenig.

Allerdings ist der starke Anstieg in der Bevölkerungsstatistik der Dritteweltländer nicht allein auf eine steigende Geburtenrate zurück zu führen. Eher im Gegenteil: In den letzten Jahren ist die Kinderzahl sogar leicht gesunken. Dass die Bevölkerungsdichte in den Entwicklungsländern trotzdem immer stärker zunimmt, hat einen positiven Hintergrund: Die Kindersterblichkeit konnte durch eine bessere medizinische Versorgung erheblich gemindert werden. Und auf dem Gesundheitssektor solle noch mehr getan werden. Vor allem HIV und Aids senkten die Lebenserwartung in Afrika von 62 Jahren auf nur noch 49 Jahre.

Erst in der vergangen Woche hat die Bundesregierung daher ihre finanziellen Mittel zur Eindämmung des Virus um rund ein Drittel auf 400 Millionen Euro erhöht und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Thema zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gemacht. Der nächste Schritt sei nun eine gezielte Aufklärungskampagne: “Zusätzliche Investitionen von 70 Millionen US-Dollar pro Jahr sind für eine Familienplanungsdienste notwendig”, sagte Pressesprecherin Hinz.

Der Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen erscheint seit 1950. Alle zwei Jahre wird die Prognose aktualisiert. “Unsere Schätzungen sind auch ziemlich akkurat”, sagte Demograf Carl Haub. Die ersten Berichte aus den 50er-Jahren prognostizierte die Bevölkerung im Jahre 2000 fast genau auf die sechs Milliarden, die es hinterher auch waren. “Leider” könnte man fast sagen.

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