Global in die Hose
Geronimo | 29. Mai 2007Der Markt wird es schon regeln. Das behaupten jedenfalls die Fundamentalisten und blicken verächtlich herab auf wirtschaftliche Weicheier, die vor solchem Fetischismus warnen. Etwa bei der Energieversorgung. Man könne sich doch jederzeit preiswert und in ausreichender Menge auf dem globalen Markt bedienen. Versorgungssicherheit sei ein überflüssiger Luxus.
Derlei Überheblichkeit wird nun schmerzhaft bestraft. Koks und Kokskohle sind in kürzester Zeit knapp und teuer geworden. Wie Kannibalen ums Fleisch rangeln die Stahlkocher um Koks und zahlen Preise wie für Goldstaub.
Sichere Versorgung mit Energie ist kein überflüssiger Luxus
Mit etwas Weitsicht wäre das nicht nötig gewesen. Doch wegen ein paar Euro Preisvorteil verzichtete die deutsche Stahlindustrie auf die sichere Versorgung aus Deutschland und kaufte Koks lieber von den Chinesen. Die zerlegten im Gegenzug die in Deutschland nun überflüssig gewordene modernste Kokerei der Welt und erzeugen damit bald Koks im eigenen Land. Denn sie brauchen jedes Gramm. Statt Koks zu exportieren, kauft das boomende China nun weltweit die Märkte leer. Und in Deutschland kehrt sich der Preisvorteil ins Gegenteil um. Nun hätte die Stahlindustrie gerne neue Kokereien.
Global in die Hose gegangen. So könnte man schadenfroh spotten, wenn es nicht so traurig wäre. Denn die Zeche zahlen wir alle. Nun wird Stahl knapper und teurer. Die Preise für Produkte aus Stahl ziehen nach. Erste Weiterverarbeiter fahren bereits Kurzarbeit. Das ist Gift für die sich langsam belebende Konjunktur.
Mag sein, dass der Markt alles regelt. Aber nicht zum Besten.




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