Brief an die Katholiken in China
Die chinesischen Katholiken zählen in ihren Reihen unzählige Märtyrer. Werden ihre Leiden jetzt - indirekt - verhöhnt? Der Vatikan will Einheit mit dem Feind.
(Vatikan) Der Vatikan hat den lange erwarteten Brief Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken veröffentlicht.
Der Brief wurde vom Papst bereits am Pfingstsonntag unterzeichnet.
Er ist an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der Kirche in der Volksrepublik adressiert.
Der Brief wendet sich an die angeblich “gespaltene katholische Gemeinde in China”.
Diese Formulierung dürfte bedeuten, dass der Papst seine Zeilen an die Untergrundkirche und an die vom kommunistischen Regime eingesetzte Gegenkirche ‘Patriotische Vereinigung’:
“Die ‘Patriotische Vereinigung’ ist eine Organisation, die 1957 unter dem Druck der kommunistischen Regierung gegründet wurde. Sie versucht seither, sich anstelle der in den Untergrund gedrängten Katholiken als Gegenkirche zu etablieren.’‘
Benedikt XVI. “möchte mit diesem Brief einige Orientierungspunkte in Bezug auf das Leben der Kirche und das Werk der Evangelisierung in China geben”.
Zwei Teile
Das Schreiben besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil schreibt der Heilige Vater über die aktuelle Situation sowie über theologische Aspekte. Im zweiten Teil geht er auf das pastorale Leben in China ein.

Der Heilige Vater wünscht, dass der Dialog zwischen der Kirche und dem chinesisch kommunistischen Regime voranschreite. Er richtet an alle einen innigen Aufruf zur Einheit und zur Versöhnung.
So soll eine Übereinkunft über die Ernennung der Bischöfe gefunden werden.
Der Heilige Vater gibt auch Weisungen zur Anerkennung von Geistlichen der Untergrundgemeinschaft durch die Regierung.
Dem Papst ist bewusst, dass die Verbesserungen der Beziehungen “nicht von heute auf morgen” möglich sind.
Dieser Weg werde vom Beispiel und vom Gebet vieler Glaubenszeugen getragen, die gelitten und vergeben hätten, während sie ihr Leben für die Zukunft der Kirche in China hingaben.
In China werde die Verkündigung Christi in dem Maß möglich sein, “in dem ihr in Treue zum Evangelium und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und mit der universalen Kirche die Zeichen der Liebe und der Einheit zu verwirklichen wisst” - schreibt der Papst.
Ferner unterstreicht er, dass die Kirche in China die staatlichen Strukturen nicht ändern wolle. Sie beschränke sich darauf, Christus, den Retter der Welt zu verkünden.
Deshalb sei die Verbindung der chinesischen “Landeskirche” - so die Übersetzung des vatikanischen Pressesaales - mit der Universalkirche wichtig.
Aufhebung von Sondererlaubnissen
In seinem Brief hebt der Papst alle Befugnisse der nach wie vor verfolgten Untergrundkirche - ältere und neuere - auf. Damit ist die Kirche in China vollständig dem Kirchenrecht verpflichtet.
Diese Maßnahme trifft die Kirche im Untergrund. Vielleicht geht es hier um mögliche Sondervollmachten bei der Konsekration von Bischöfen.
Der Heilige Vater begründet diesen Schritt mit den veränderten Umständen der allgemeinen Lage der Kirche in China und den größeren Kommunikationsmöglichkeiten.
Falls nötig, müssten sich die Katholiken an den Heiligen Stuhl wenden.
Warnung in den Wind geschlagen
Papst Pius XII. warnte in seiner Enzyklika über die kommunistische Gegenkirche “Ad Sinarum Gentem” im Oktober 1954 ausdrücklich vor der chinesischen Staatskirche.
Das chinesische Regime versuche, unter den Katholiken Chinas eine nationale Kirche aufzubauen, die nicht länger katholisch ist, erklärte Pius XII. vor mehr als fünfzig Jahren.
Die ‘Patriotische Vereinigung’ sei die Verneinung der Universalität oder besser der Katholizität, durch welche die von Jesus Christus gestiftete Gemeinschaft über allen Nationen steht und sie alle umfasst.




Bisher keine Kommentare