Die 68er-Sozialisten sind die Erben der Nazi-Sozialisten

Das Buch “Glück des Stillens” von Eva Herman wäre den Nationalsozialisten genauso verhasst gewesen wie heute den 68er-Sozialisten. Von Leo G. Schüchter.

Einige Altliberale demonstrieren im Oktober 2006 in Hessen gegen Eva Herman - mit den altbekannten Sprüchen: “Hol mir mal ne Flasche Bier, Eva”, “Eva Herman - ein Irrtum der Emanzipation?”, “Ich bin eine Rabenmutter”

Die Pariser Modenschau von 1947 war ein Paukenschlag. Statt der bisher getragenen knappen knielangen Röcke präsentierten die Modemacher wieder das wadenlange Kleid mit Taillenschnitt. Es sollte Weiblichkeit und Frausein betonen.

Dieser Umschwung in der Mode kündigte auch eine konservative Wende in der Frauen-, Familien- und Gesellschaftspolitik an.

Im Zweiten Weltkrieg und schon während des Aufschwungs der Vorkriegszeit waren die Frauen vor allem als Arbeitskräfte betrachtet und verwendet worden.

Trotz einer anfänglichen Förderung von Ehe und Familie waren zum Ende der Dreißiger Jahre im Hitlerstaat mehr Frauen in Lohnberufen tätig als je zuvor.

Die Familien- und Sexualmoral wurde unter aktiver Förderung der Nationalsozialisten lockerer.

Nach dem Krieg rückten die westlichen Staaten die Familie und die Frau als Ehegattin und Mutter wieder in den Mittelpunkt.

Die Adenauer-Republik förderte Familie und Kinderreichtum ideell und finanziell.

Zum Schutz der Jugend und der Familien war - gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes - pornographische Propaganda in Filmen, Büchern und Zeitschriften geächtet.

Primanergruppen an vielen deutschen Gymnasien beteiligten sich 1950 an einer bundesweiten Kampagne gegen “Schmutz und Schund in Zeitschriften und an Kiosken”.

In den 60er und 70er Jahren kämpften die 68er und die Linken der SPD - wie etwa der Schriftsteller mit SS-Vergangenheit Günter Grass - gegen diese Gesellschafts- und Familienpolitik.

Dabei benutzen sie eine verdrehte Darstellung der Nationalsozialisten als Schreckgespenst und rückten die Adenauerregierung in die Nähe des Hitler-Regimes.

Die linke Studentenbewegung und in ihrem Gefolge die SPD-geführten Regierungen stellten sich als Modernisierungsschieber dar.

Die nationalsozialistische Politik wurde wie die Adenauerzeit als “rückwärtsgewandt” und “antimodern” hingestellt.

Diese Propaganda ließ keinen realistischen Blick auf die nationalsozialistische Politik zu und dauert bis heute an.

Jüngstes Opfer dieser ideologisierten Perspektive ist Eva Herman geworden - sowohl hinsichtlich ihrer eigenen Äußerungen über die angebliche Wertschätzung der Mütter im Nationalsozialismus als auch hinsichtlich ihrer Stigmatisierung durch die Medienmächtigen.

Die nationalsozialistische Familienpolitik war Ende der 30er Jahre nicht wertkonservativ, sondern funktional-modern.

Ehe und Familie wurden steuerlich bessergestellt als Unverheiratete und Kinderlose.

Frauen waren zwar als Gebärende, nicht aber als Mütter erwünscht.

Sie sollten möglichst schnell Bindung, Nähe und Fürsorge zum Kind ablegen und deren Erziehung staatlichen Betreuungs- und Erziehungsstellen übergeben.

Das Buch “Glück des Stillens” von Eva Herman wäre bei den herrschenden Kreisen des Dritten Reichs genauso unerwünscht gewesen wie bei den heute
herrschenden Alt-68er Medienmogulen.

Der deutsche Historiker Götz Aly (60) hat in seinem Buch “Hitlers Volksstaat” die sozial- und gesellschaftspolitische Modernität der NS-Politik herausgestellt:

“Von Anfang an […] schützte der NS-Staat die Bauern vor den Unwägbarkeiten des Weltmarkts und des Wetters. Die Grundlagen der EU-Agrarordnung, das Ehegattensplitting, die Straßenverkehrsordnung, die obligatorische Haftpflichtversicherung für Autos, das Kindergeld, die Steuerklassen oder auch die Grundlagen des Naturschutzes stammen aus jenen Jahren.”

“Nationalsozialistische Politiker entwickelten die Konturen des seit 1957 in der Bundesrepublik selbstverständlichen Rentenkonzepts.”

Damit ist die Frage teilweise beantwortet, warum ein verbrecherisches Unternehmen wie der Nationalsozialismus ein derart hohes Maß an innenpolitischer Integration erreichen konnte.

Das geschah nicht durch eine äußere Kontrolle der Massen.

Die DDR setzte für ein Viertel der alten Reichs-Bevölkerung zwanzigmal mehr Überwachungspolizei ein als der NS-Staat.

Es gab noch weitere Faktoren, die zur Konsolidierung des Hitlerstaates beitrugen:

Die Nationalsozialisten waren hauptsächlich von bürgerlichen Schichten gewählt worden. Von diesen Kreisen wurde auch der NS-Staat getragen.

Der NS-Staatsführung löste starre staatliche Hierarchien zugunsten einer modernen horizontalen Entscheidungsbildung auf und erlaubte dabei ein beachtliches Maß an Pluralität.

In der polykratischen Verwaltungsstruktur des nationalsozialistischen Staates war es die Vielzahl von fähigen bürgerlichen Beamten und Juristen, die Parteibeschlüsse in praktikable Politik umsetzten.

Des weiteren agierte die nationalsozialistische Führung wie klassische Stimmungspolitiker.

Auf der Basis von Geben und Nehmen errichteten sie eine mehrheitsfähige Zustimmungsdiktatur.

Das zeigt zum Beispiel die Steuerpolitik während der Kriegszeit:

Auf Betreiben Hitlers wurden die unteren und mittleren Schichten der Arbeiter und Angestellten nicht mit Kriegssteuern belastet. Dagegen stieg die Steuerlast des gut und sehr gut verdienenden Teils der deutschen Gesellschaft erheblich.

1942 hatten die Hausbesitzer eine einmalige Steuerzahlung von acht Milliarden Reichsmark zu entrichten.

Bei Arbeitern und Angestellten wurde dagegen schon 1940 Steuerfreiheit für Zuschläge auf Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit eingeführt.

Hermann Göring († 1945) verkaufte dieses sozialpolitische Programm an die “lieben Volksgenossinnen und Volksgenossen”. Das waren Maßnahmen, die auch heutigen Genossinnen und Genossen geschmeckt hätten.

Der gegenwärtige bürgerliche Sozialstaat hat weit mehr vom national-sozialistischen Staat übernommen, als die heutigen Propagandisten der politischen Korrektheit zugeben wollen.

Von daher rührt auch die Gereiztheit, mit der Politiker und Medien in letzter Zeit auf kritische Vokabeln im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Politik reagieren.

Die Sozialisten reden von Gleichberechtigung, die Nationalsozialisten von Dienstverpflichtung der Frau

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