Katholiken: Roth soll sich entschuldigen
Geronimo | 23. Oktober 2007Berlin/Augsburg - Im Streit um die deutsche Familienpolitik gehören verbale Entgleisungen fast schon zum guten Ton. Berufstätige Frauen sahen sich bereits als “Rabenmütter” und “Gebärmaschinen” tituliert, kinderliebe Väter als “Wickelvolontäre”.
Den vorläufigen Tiefpunkt erreicht die Debatte nun mit der Frage, ob eine Parteichefin einen Bischof als “durchgeknallt” bezeichnen und ob der Kirchenfürst diese Äußerung mit dem Dritten Reich vergleichen darf.
Claudia Roth hatte beim Landesparteitag der bayerischen Grünen gesagt, der Augsburger Bischof Walter Mixa sei ein “durchgeknallter, spalterischer Oberfundi”. Daraufhin attestierte der Sprecher des Bistums, Dirk Hermann, der Politikerin “faschistoide Züge”. Roths Wortwahl erinnere an die Propaganda-Hetze der Nationalsozialisten gegen die Kirche.
Weiter zugespitzt hatte sich der Streit, weil beide Seiten ihre Äußerungen wiederholten. Der Grünen-Politiker Volker Beck verteidigte Roth: “Wer wie Bischof Mixa seit Jahren durch seine erzkonservative Haltung jegliche gesellschaftliche Modernisierung bekämpft, muss sich nicht wundern, wenn er in der politischen Debatte einmal ebenso hart angefasst wird.” Auch Bayerns Grünen-Chefin Theresa Schopper stellte sich hinter die Bundesvorsitzende, bedauerte aber das Wort “durchgeknallt”. Dies sei Roth wohl im Eifer der Debatte durchgerutscht.
Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Helmut Mangold, forderte die Grünen-Chefin gestern zu einer Entschuldigung auf. “Ich halte die Wortwahl von Frau Roth für unerträglich. Das ist nicht der Stil, den ich mir von einer überlegten Politikerin erwarte”, sagte Mangold unserer Zeitung. Mixa habe zumeist sachlich argumentiert. “Frau Roth muss sich bei ihm für ihre Worte entschuldigen.” Eine Forderung, die auch CSU-Fraktionschef Georg Schmid erhob.
Mangold distanzierte sich aber gleichzeitig vom Sprecher des Augsburger Bischofs, der Roths Äußerungen mit Nazi-Propaganda verglichen hatte. “Man sollte nicht jedes ungehobelte Wort gleich dem Nationalsozialismus unterschieben. Was Frau Roth gesagt hat, war höchst polemisch, hat aber mit der NS-Zeit nichts zu tun.”
Kritik an der Diözese äußerte die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch: Die Wortwahl Roths dürfe nicht - wie von der Bistumsleitung geschehen - mit der Propaganda der Nationalsozialisten gleichgesetzt werden. “Man darf die NS-Zeit nicht willkürlich als Argument heranziehen, wenn es gerade politisch opportun erscheint.”
Artikel erschienen bei Merkur-Online
hle




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