Volker Beck attackiert Kardinal

“Meisner ist Hassprediger”

Von Jochen Müter

Eine neue Runde im Schlagabtausch zwischen Grünen-Politikern und katholischen Würdenträgern hat begonnen. Und wieder hagelt es verbale Tiefschläge. Laut “Spiegel” hat der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck den Kölner Kardinal Joachim Meisner als “Hassprediger” bezeichnet. Dies sei eine Reaktion auf eine Äußerung Meisners zum angeblichen Sittenverfall in Europa und zum “Triebbündel” Mensch, das sein Schöpfungsgedächtnis verloren habe, berichtet das Hamburger Magazin.

Meisner, der vor kurzem noch vom Zentralrat der Juden für seine Äußerungen zu “entarteter Kunst” zu Recht gescholten und in die Nähe der wegen ihrer Nazi-Vergleiche aufgefallenen Ex-Moderatorin Eva Herman gerückt wurde, hatte laut “Spiegel” in einer Predigt gleichgeschlechtliche Ehen scharf kritisiert. Die sogenannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens seien unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Meisners Fazit: “Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde.”

Für Beck eine Provokation

Kein Wunder, dass Beck sich provoziert fühlte. Schließlich gilt der bekennende Homosexuelle als Vordenker grüner Lesben- und Schwulenpolitik – und nicht zuletzt als Vater des in der rot-grünen Ära verabschiedeten Lebenspartnerschaftsgesetzes.

Und so fiel seine Reaktion deutlich aus: “Kardinal Meisner betätigt sich einmal mehr als selbstgerechter Hassprediger, denn er spricht ganzen Gruppen von Menschen die Existenzberechtigung ab”, zitierte ihn der “Spiegel”. Später relativierte Beck seine harten Worte: “Nichts liegt mir ferner, als Herrn Meisner in die Nähe von Terroristen zu rücken.” Dieser gehöre aber zu den “Menschen, die den rechten Glauben über die Rechte der Menschen stellen”.

Ehe und Familie

Ein Erzbistums-Sprecher erklärte, Meisner habe mit seiner Predigt niemandem das Existenzrecht abgesprochen. Er habe vielmehr die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft unterstrichen. Becks Aussage werde rechtlich geprüft. Bereits im Juni hatte das Erzbistum eine Einstweilige Verfügung gegen einen Kabarettisten erwirkt, der Meisner “Hassprediger” genannt hatte.

Kritik erntete Beck auch aus Union und FDP. Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der Union im Bundestag, sprang Meisner zu Seite. Becks Aussage sei eine grobe Beleidigung, eine Beschimpfung, die weder im Ton noch inhaltlich etwas mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun habe. Und: Das Niveau öffentlichen Streits sinke, “weil nur noch unter die Gürtellinie gezielt wird”.

“Spalterischer Oberfundi”

FDP-Mann Werner Hoyer kritisierte, es sei unanständig, Meisner “in die Nähe von Terroristen, Islamisten und Selbstmordattentätern zu rücken”. Sowohl Bosbach als auch Hoyer beeilten sich jedoch zu sagen, dass sie Meisners Ansichten teilweise nicht teilten.

Jüngst erst war ein Streit zwischen Grünen-Chefin Claudia Roth und dem Augsburger Bischof Walter Mixa beigelegt worden. Roth hatte Mixa wegen seiner Äußerungen zur Rolle der Frau als “durchgeknallten, spalterischen Oberfundi” bezeichnet. Mixas Sprecher bescheinigte ihrer Aussage daraufhin “faschistoide Züge”. Später bedauerte er dies. Seine Worte seien “schärfer als bei näherem Hinsehen nötig” gewesen.

dpa/ap

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