Marx ist Erzbischof von München und Freising
Geronimo | 30. November 2007
“Es ist der Bischof von Trier, Dr. Reinhard Marx. Seine Ernennung wird heute auch in Rom und Trier bekannt gegeben.”
Mit diesen Worten gab am Freitag mittag der Diözesanadministrator, Kardinal Friedrich Wetter, die Ernennung bekannt.
“Zur Stunde läuten von den Türmen der Frauenkirche, des Freisinger Mariendoms und der Frauenkirche und in den Kirchen unseres ganzen Erzbistums die Glocken. Sie verkünden die Freude darüber, dass der neue Erzbischof ernannt ist.”
Der aus dem westfälischen Geseke stammende Marx wurde 1979 zum Priester geweiht. 1996 wurde er Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Paderborn. Im selben Jahr folgte die Ernennung zum dortigen Weihbischof. Seit 2002 ist er Bischof der ältesten deutschen Diözese in Trier.
Die Gläubigen im Erzbistum München wollen den neuen Erzbischof “mit offenen Armen und offenen Herzen” empfangen, sagte Wetter.
” Wir werden in seiner verantwortungsvollen Aufgabe mit unserem Gebet begleiten und durch engagierte Mitarbeit in allen Bereichen der Seelsorge und des kirchlichen Lebens nach Kräften unterstützen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Menschen in unserem Erzbistum ihm in ebenso guter Weise verbunden wissen, wie ich es in den 25 Jahren meines Dienstes in München habe erfahren dürfen.”
Ein Westfale in Bayern - das ist ungewöhnlich - Reinhard Marx war jedenfalls nicht unter den Favoriten für die Wetter-Nachfolge. Was sagt der bisher als Bischof in Trier wirkende Sozialethiker selber? Er sei bereit, die Herausforderung anzunehmen, so Marx bei der ersten Pressekonferenz:
“Ich sehe meine eigenen Unzulänglichkeiten und Grenzen sehr wohl, aber wenn der Papst es mir zutraut, will ich es auch gerne übernehmen und hoffe, dass die Gläubigen mich mit offenen Herzen aufnehmen. Ich will mit großer Offenheit und Bereitschaft auf die Menschen zugehen. Ich hoffe, dass sie auch einen Westfalen gut akzeptieren können, und dass wir in guter Weise das tun, was unsere Aufgabe ist, nämlich das Evangelium zu verkünden und Christus in die Mitte zu stellen und den Dienst zu tun, der einem Bischof aufgetragen ist.”
Die Ernennung von Marx fällt mit der Veröffentlichung der Hoffnungs-Enzyklika zusammen und mit dem Fest des Heiligen Andreas - für den neuen Erzbischof kein Zufall:
“Heute Morgen haben wir in der Heiligen Messe das Evangelium gehört, wie die Jünger berufen werden, und sie legen sofort ihre Arbeit nieder, brechen auf und folgen ihm. Das ging mir heute morgen durch den Kopf, als ich das Evangelium hörte. Und das trifft auch für einen Bischof, für einen Priester, eigentlich für Christen immer wieder von neuem zu: dass sie aufbrechen müssen, bereit sind, dorthin zu gehen, wohin der Herr sie ruft, auch durch die Stimme der Kirche. Insofern konnte ich dem Wunsch des Papstes nicht Widerstand entgegenbringen.”
Marx engagiert sich auch in zahlreichen über sein Bistum hinausgehenden Gremien. So ist er Vorsitzender der deutschen Kommission “Justitia et Pax”, Mitglied der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) sowie Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.
Der Münchner Bischofsstuhl zählt zu den bedeutendsten in Deutschland und ist in der Regel mit der Kardinalswürde verbunden. Der heutige Papst bekleidete ihn selbst von 1977 bis 1982. Benedikt XVI. hatte bereits im Februar das Rücktrittsgesuch von Kardinal Friedrich Wetter (79) angenommen, der sich seitdem als Apostolischer Administrator selbst vertritt.
(rv / kna / domradio 30.11.2007 mc)
Hören Sie hier das ganze Statement von Reinhard Marx
, und hier das seines Vorgängers Kardinal Friedrich Wetter
bei der Pressekonferenz am Freitag zur Ernennung zum Erzbischof von München-Freising.
Reinhard Marx - Der Lebenslauf
Marx ist der 73. Nachfolger auf dem Bischofsstuhl des heiligen Korbinian, der im 8. Jahrhundert in Altbayern den christlichen Glauben verkündete. Der Westfale stammt aus dem Erzbistum Paderborn. Am 21. September 1953 wurde er in Geseke, Kreis Lippstadt in Nordrhein-Westfalen, geboren. Dort machte er 1972 sein Abitur. Anschließend studierte er Theologie und Philosophie in Paderborn und Paris. 1979 weihte ihn der Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, zum Priester. Nach zweijähriger Tätigkeit als Neupriester in der Seelsorge in Bad Arolsen wurde er Geistlicher Rektor der St.-Klemens-Kommende in Dortmund, ursprünglich eine Niederlassung des Deutschen Ordens, jetzt das Sozialinstitut der Erzdiözese Paderborn. 1989 wurde er Direktor des Instituts. Den Sohn eines engagierten Gewerkschafters beauftragte Erzbischof Degenhardt außerdem mit der Seelsorge in der Berufs- und Arbeitswelt.
Von 1981 bis 1989 studierte Marx in Münster und Bochum. Er promovierte zum Doktor der Theologie. Die Dissertation trägt den Titel “Ist Kirche anders? Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise.” 1996 wurde er Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Paderborn. Im gleichen Jahr, am 23. Juli, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Pedena, einem erloschenen Bistum in Istrien, und zum Weihbischof des Erzbischofs von Paderborn. An seinem 43. Geburtstag, dem 21. September 1996, weihte ihn Erzbischof Degenhardt im Hohen Dom zu Paderborn zum Bischof und ernannte den Sozialethiker zum Bischofsvikar für Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft. Seit 1999 ist Marx Vorsitzender der von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam getragenen Kommission “Justitia et Pax” (Gerechtigkeit und Frieden). 2001 wurde er in das Paderborner Metropolitankapitel aufgenommen.
Am 20. Dezember 2001 ernannte Papst Johannes Paul II. Reinhard Marx zum Bischof von Trier. Am 1. April 2002 wurde er in sein Amt im Trierer Dom eingeführt. Für sein bischöfliches Wirken wählte er ein Wort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth zum Wahlspruch: “Ubi spiritus Domini ibi libertas - Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit” (2 Kor 3,17). In der Deutschen Bischofskonferenz führt er den Vorsitz der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und ist Stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche. In der Reihe der Trierer Bischöfe, die mit Eucharius als erstem Bischof schon um das Jahr 250 beginnt, ist er der 102. In der Trierer St. Matthias-Basilika befindet sich das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden, das Grab des Apostels Matthias. Im Trierer Dom wird auch die Tunika Christi, der “Heilige Rock”, aufbewahrt und verehrt. Sowohl die Überführung der Reliquien des Apostels wie auch der Tunika Christi nach Trier werden der heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins des Großen, zugeschrieben.
Der ernannte neue Erzbischof ist direkter Nachfolger von Kardinal Friedrich Wetter (79), der das fast zwei Millionen Katholiken zählende Erzbistum ein Vierteljahrhundert lang als Oberhirte geleitet hat und dieses Jubiläum am 8. Dezember, dem Hochfest Mariä Unbefleckte Empfängnis, im Münchner Liebfrauendom begehen wird. Am 2. Februar, dem Fest Mariä Lichtmess, hatte der Papst den Amtsverzicht Wetters angenommen, den dieser bereits anlässlich seines 75. Geburtstages gegenüber Papst Johannes Paul II. angeboten hatte. Benedikt XVI., der selbst von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising war, setzte für die Zeit der Sedisvakanz des Erzbischofssitzes Kardinal Wetter als Apostolischen Administrator der Erzdiözese mit allen Rechten und Vollmachten eines Diözesanbischofs ein. Wenn Marx in sein neues Amt als Erzbischof von München und Freising eingeführt wird, endet die Amtszeit Kardinal Wetters als Apostolischer Administrator.




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