Zahl der Aids-Infektionen nimmt zu (Aids auf dem Vormarsch)

In Deutschland leben derzeit 59 000 Menschen mit dem HI-Virus - In diesem Jahr 650 Todesfälle

Berlin Welt.de - Allen Aufklärungsbemühungen zum Trotz stecken sich immer mehr Menschen in Deutschland mit dem Aids-Erreger HIV an. Nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts infizierten sich im Jahr 2007 rund 3000 Menschen mit dem Immunschwächevirus, fünf Prozent mehr als noch 2006. Damit steigt die Zahl der in Deutschland lebenden HIV-Infizierten auf 59 000 Menschen, bei rund 9500 von ihnen ist Aids bereits ausgebrochen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet bis zum Jahresende mit 650 Todesfällen.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich im Vorfeld des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember bei der Präsentation der Zahlen besorgt: “Aufklärung, Schutz und Verantwortung für sich selber und andere” müssten weiter höchste Priorität haben. “Es gibt keine Sicherheit, die Krankheit ist immer noch tödlich”, sagte die Ministerin. Deshalb würde die Bundesregierung im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit auch nicht nachlassen. Die Mittel für die Aids-Prävention in diesem Jahr seien deshalb um drei Millionen auf jetzt 12,2 Millionen Euro aufgestockt worden. “Trotz der modernen Medikamente ist noch niemand von seinem HIV geheilt worden, und auch die Impfstoffentwicklung bleibt schwierig”, sagte der Präsident des RKI, Reinhard Kurth, und forderte weiter hohe Aufwendungen für die Prävention.
Rund 80 Prozent - etwa 34 000 Menschen - aller Neu-Infizierten sind homosexuelle Männer. Gründe dafür sieht Sven Christian Finke von der Deutschen Aids-Hilfe in einer “gewissen Präventionsmüdigkeit” und in einem wegen der erreichten Therapieerfolge möglicherweise “abnehmendem Risikobewusstsein” in dieser Zielgruppe. Es infizierten sich jetzt auch “Leute, die bisher Safer Sex praktiziert haben”. Für 2008 kündigte er eine auf Homosexelle zugeschnittene Aufklärungskampagne an.
Erfreut zeigte sich die Ministerin, dass sich immer mehr junge Menschen - gemeinsam mit Prominenten aus Sport und Musik - zum Welt-Aids-Tag engagieren. Rund zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren benutzten bei sexuellen Kontakten inzwischen Kondome, lobte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott.
Trotz der Zunahme der Zahl von HIV-Patienten bewegt sich Deutschland im internationalen Vergleich auf einem vergleichsweise niedrigen Infektionsniveau. Weltweit leben nach Darstellung von Unaids und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 33 Millionen Menschen mit dem Virus, knapp 70 Prozent von ihnen in der Sub-Sahara-Region in Afrika. Bei der Vorstellung des Welt-Aids-Berichts 2007 wiesen die WHO und Unaids darauf hin, dass nach neuen Erkenntnissen die Zahl der Infizierten zwar niedriger läge als bislang angenommen. Verantwortlich dafür seien aber korrigierte und realistischere Schätzungen der Infektionsraten vor allem aus Indien. In Anbetracht von zweieinhalb Millionen Neuinfektionen im Jahr 2007 weltweit - das betrifft 6800 Menschen jeden Tag - könne man deshalb nicht davon ausgehen, dass sich das Virus auf dem Rückzug befände, oder gar Entwarnung geben. 5750 Infizierte stürben immer noch jeden Tag.
Nur etwa ein Drittel aller Kranken in den ärmeren Ländern Afrikas und Asiens erhalte Medikamente. “Dennoch: Wir sind im Kampf gegen Aids auf dem richtigen Weg. Weniger Neuinfektionen und geringere Sterblichkeit. Wir müssen unsere Bemühungen verstärken”, sagte Unaids-Geschäftsführer Piot. nz

Artikel erschienen bei Welt.de

Aids auf dem Vormarsch

Anstieg in China

Die Zahl der registrierten Aids-Infektionen in China ist in diesem Jahr um rund 22 Prozent gestiegen. Ende Oktober seien 223.501 Menschen positiv getestet worden, meldete das Gesundheitsministerium in Peking. Darunter seien 62.838 Menschen, bei denen die Immunschwächekrankheit ausgebrochen sei. Im vergangenen Jahr war bereits ein starker Anstieg der bekannten HIV-Infektionen um 30 Prozent auf 183.733 gemeldet worden.

Nach Schätzungen des Ministeriums und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürften insgesamt 700.000 Menschen in China infiziert sein. Nach Angaben des Ministeriums sind “in den vergangenen Jahren” 22.205 Menschen in China an Aids gestorben, ohne dass der Zeitraum genau genannt wurde. UN-Experten sehen in den neuen Zahlen nicht unbedingt einen tatsächlichen Anstieg, sondern gehen davon aus, dass auch verstärkte Tests und ein besseres Bewusstsein zu einem Zuwachs der gemeldeten Fälle führen könnte.

Allerdings wird das Virus heute immer öfter durch ungeschützten Geschlechtsverkehr von Risikogruppen auf die allgemeine Bevölkerung übertragen, nachdem Drogenspritzen und unhygienische Blutspenden lange wesentliche Ursachen für die Verbreitung von Aids in China waren. Nachdem die Gefahr durch Aids in China lange ignoriert worden ist, bleiben auch heute noch viele Infektionen aus Unkenntnis, Angst vor Diskriminierung oder Armut unerkannt. Unter den bekannten Fällen sind zwei Drittel Männer.

Artikel erschienen bei n-tv.de

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