Münchner Erzbischof Reinhard Marx will sich einmischen

Der “Bischof zum Anfassen”
Will seinen kirchlichen Auftrag erfüllen: Reinhard Marx.

Der neue Münchner Erzbischof Reinhard Marx nimmt kein Blatt vor den Mund. In politischen und gesellschaftlichen Debatten hat er immer wieder klare Positionen bezogen. Nach Ansicht des 54-Jährigen darf die Kirche zu drängenden Gegenwartsfragen nicht schweigen. Es sei ihm wichtig, “dass die katholische Soziallehre ein Teil der Verkündigung ist”, sagt der Oberhirte der rund 1,8 Millionen Katholiken im Erzbistum München und Freising. Vom Evangelium sei es den Christen aufgegeben, auch die Frage nach der Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu stellen. “Die Kirche hat in der modernen Gesellschaft viel zu sagen.”


Bayerns evangelischer Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) schätzt Marx’ offene Art und sieht in ihm einen “wortgewaltigen Anwalt und Fürsprecher der Schwachen”. “Sie waren und sind ein kritischer Geist, der auch die Politik ins Kreuzfeuer nimmt - aber immer um der Menschen willen”, sagte Beckstein zu Marx, als dieser den nach den Konkordatsbestimmungen zwischen katholischer Kirche und Staat vorgesehenen Treue-Eid ablegte. In seiner Antwort bekräftigte Marx, dass er sich weiter einmischen wolle, denn die Kirche habe einen “Auftrag mitten in der Welt”.

Schon früh hatte sich Marx einen Namen als Sozialethiker gemacht. 1989 übernahm er den Chefposten im Sozialinstitut “Kommende” des Erzbistums Paderborn, 1996 wurde er Professor für christliche Gesellschaftslehre in Paderborn. Dann ging die Karriere rasant weiter: 1997 wurde der gebürtige Westfale - er kam am 21. September 1953 in Geseke als Sohn eines Schlossermeisters zur Welt - Weihbischof in Paderborn. Gerade mal fünf Jahre später übernahm der damals 48-Jährige als bundesweit jüngster Diözesanbischof das Bistum Trier. Und in München winkt ihm bald der Kardinalshut, weil der Münchner Erzbischof traditionell auch rasch zum Kardinal ernannt wird.


Marx (l) bei der offiziellen Amtseinführung in der Münchner Frauenkirche.

Energisch und bodenständig

Marx gilt als mediengewandt. Er kann sehr gut reden, ist schlagfertig, geht auf die Leute zu, hat Humor und bringt auch mit einer gewissen Verschmitztheit immer wieder die Lacher auf seine Seite - etwa nach seiner Münchner Berufung, als er Journalisten verriet, die Bayern-Hymne habe er längst im Auto gelernt. Als er in München eintraf und auf dem Marienplatz offiziell empfangen wurde, rief er den mehreren tausend im Regen ausharrenden Gläubigen zu: “Und wenn Sie nach Hause kommen, trinken Sie einen heißen Tee oder einen Obstler.” Mit dieser Bodenständigkeit wirkt er wie ein “Bischof zum Anfassen” und gewinnt die Herzen vieler Menschen.

Kirchenpolitisch gilt Marx aber als “Hardliner”, als absolut Rom- treuer, strikt konservativer Kirchenmann. In Glaubensfragen mag er keine Schwammigkeit, sondern steht für eine im Zweifel harte Linie. Das bewies Marx, als er den Priester Gotthold Hasenhüttl suspendierte, weil dieser beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin auch nicht-katholische Christen zur Teilnahme an der Kommunion eingeladen hatte. 2006 entzog Marx dem streitbaren Theologen auch noch die kirchliche Lehrerlaubnis.

Schon als Kind habe er Priester werden wollen, sich aber nie vorstellen können, einmal Erzbischof von München zu werden, hat Marx vor kurzem erzählt. Doch nun erwarten ihn vielleicht noch höhere Weihen: Marx wird auch als Nachfolger für Karl Kardinal Lehmann an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gehandelt. Lehmann gibt dieses Spitzenamt aus gesundheitlichen Gründen ab. Am 12. Februar wird sein Nachfolger im Würzburger Kloster Himmelspforten gewählt.

Von Jürgen Balthasar, dpa
Adresse: http://www.n-tv.de/913304.html

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