In keiner Weise professionell
Der Erzbischof von Freiburg versucht gegenwärtig, dem von ihm entfachten Zölibat-Skandal zu entrinnen. Doch jetzt hat ein Priester auf eine weitere Leiche im erzbischöflichen Keller hingewiesen.
(kreuz.net, Freiburg) Der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Mons. Robert Zollitsch, hat sich indirekt erneut zu seinen skandalösen Aussagen über den Zölibat geäußert.
Das geschah mittels einer brieflichen Standard-Antwort auf eine Vielzahl persönlicher Anfragen. Dieses Schreiben wurde vom erzbischöflichen Sekretär, Hw. Michael Maas (31), am Mittwoch verfasst und unterschrieben.
Hw. Maas sucht die Schuld vor allem bei ‘Spiegel Online’. Die Webseite habe das Interview verkürzt und einseitig wiedergegeben:
“Wer das Interview von Erzbischof Dr. Zollitsch ganz gelesen hat, weiß, dass er den Zölibat nicht in Frage stellt oder abschaffen möchte.”
Mons. Zollitsch habe die großen und geistlichen Vorteile des Zölibats betont - rechtfertigt der erzbischöfliche Sekretär.
Es sei eine “theologische Selbstverständlichkeit”, dass der Erzbischof auf die Frage, ob der Zölibat ein Dogma sei, erklärt habe, dass dieser nicht von seinem Wesen her zum Priesteramt gehöre.
Der Erzbischof habe vor dem ‘Spiegel’ angeblich auch deutlich gemacht, dass es drängendere Themen im kirchlichen und gesellschaftlichen Diskurs gibt als die Priesterehe.
dass die Frage nach der Priesterehe so sehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sei, liege auch an den Fragestellungen diverser Medien - schiebt Hw. Maas den Schwarzen Peter erneut auf die Journalisten.
Der Erzbischof antworte selbstverständlich, wo er gefragt werde.
Ein zweites Problem
Der St. Pöltner Priester und Dozent für Ethik an der dortigen Hochschule, Hw. Josef Spindelböck, bleibt unüberzeugt. Das erklärte er in einem Kommentar auf seiner Webseite ’stjosef.at’.
Hw. Spindelböck hält dem Erzbischof zugute, dass er persönlich ein frommer und absolut integrer Bischof sei. Doch sein Umgang mit den Medien sei “in keiner Weise professionell”.
Eine ausführliche Klarstellung des angeblich verkürzten Interviews hätte - so Hw. Spindelböck - schon längst erfolgen müssen.
Der Geistliche kritisiert auch einen weiteren und “ganz entscheidenden Punkt” aus dem Interview, der in der Stellungnahme gar nicht berücksichtigt werde: “In welchem Sinn spricht der Erzbischof der ‘evangelischen Kirche’ das Kirche-Sein zu?”.
Gemäß katholischer Lehre seien die Protestanten als “kirchliche Gemeinschaft” zu bezeichnen - so Hw. Spindelböck.
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