Die Gesellschaft ist schuld
Geronimo | 29. März 2008Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz ist dem Papst und der Weltkirche erneut in den Rücken gefallen. Stellungnahme des ‘Arbeitskreises von Katholiken im Raum Frankfurt’.
In seinem ‘Spiegel’-Interview von Mitte Februar hat Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg angedeutet, dass Papst und Konzilien die Herren des Zölibatgebots wären und deshalb auch für den geringen Priesternachwuchs verantwortlich seien.
Nach seinem jüngsten Gespräch mit der Tageszeitung ‘Die Welt’ sollen jetzt die “Wohlstands- und Konsumgesellschaft” sowie das “von Sexualisierung geprägte Umfeld” daran schuld sein, dass immer weniger junge Männer Priester werden.
Auch die rapide Abnahme des Gottesdienstbesuchs habe “mit gesellschaftlichen Prozessen zu tun.
Diese müssen immer dann herhalten, wenn man von den eigenen Fehlern ablenken will.
Der frühere starke Gottesdienstbesuch sei nur der gesellschaftlichen “Selbstverständlichkeit der Tradition” geschuldet gewesen. Dagegen sei der Gang zur Kirche heute eine existentielle “Entscheidung des Einzelnen” - doziert der Erzbischof weiter im ‘Welt’-Gespräch.
Er unterschlägt die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der treuen Messbesucher ältere und alte Katholiken sind, die noch von der vorkonziliaren Überzeugung geprägt sind, am Sonntag regelmäßig an der Heiligen Messe teilzunehmen.
Im weiteren zeigt sich der Erzbischof optimistisch: Insgesamt sehe es in der deutschen katholischen Kirche gut aus, wenn man nur die “missionarische Chance” für einen “ansprechenden und einladenden Gottesdienst” nutze sowie die Strukturen, “über die wir erfreulicherweise verfügen”, mit Leben erfülle.
Daraus kann man einen Gleichklang mit den Strategien der protestantischen Gemeinschaften hören. Dieser Gleichklang ist offenbar auch der Grund für das gleichmachende Kirchenverständnis des Erzbischofs.
Im ‘Spiegel’-Gespräch hatte er das wachsende Bewusstsein für die Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken bedauert und das angebliche - wenn auch etwas andere - Kirchesein der protestantischen Gemeinden betont.
Ausdrücklich klagte er den Papst an, dass die römische Klarstellung vom Juli 2007 über den Charakter der katholischen Kirche den Protestanten unnötige Verletzungen zufüge - obwohl dieser Text in Übereinstimmung mit dem Zweiten Vatikanum steht.
Nach dem relativistischen Kirchenverständnis von Erzbischof Zollitsch, das er in dem ‘Welt’-Interview wiederholt, gibt es offensichtlich mehrere legitime Formen von Kirche, die sich nur in theologischen Sinndeutungen unterscheiden.
Der in einem anderen Sinne Bischof der etwas anderen lutherischen Kirche von Bayern, Herr Johannes Friedrich, zeigte sich hocherfreut über diese ökumenische Gleichmacherei:
Die protestantische Kirche respektiere die katholische Kirche als eine weitere “Realisierung der Kirche Jesu Christ in dieser Welt”.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz wirft die Substanz der katholischen Kirchenlehre über Bord, um sich den Protestanten mit einer relativistischen Ekklesiologie anzubiedern.




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