Privatpatienten bevorzugt

“Ökonomisch rational”

Einer Studie der Universität Köln zufolge müssen Kassenpatienten im Schnitt dreimal so lange auf Termine beim Facharzt warten wie privat Krankenversicherte. Die Bundesärztekammer bestätigte die teilweise verzögerte Terminvergabe an gesetzlich Versicherte. Besonders große Unterschiede ermittelte die Studie bei Magenspiegelungen: Während Kassenpatienten im Durchschnitt 36,7 Tage auf eine Spiegelung warten mussten, bekamen Privatpatienten dagegen nach nur 11,9 Tagen einen Termin. “Beschwerden, die eine Magenspiegelung notwendig machen, können auf Blutungen oder eine Krebserkrankung zurückgehen”, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Terminverzögerungen seien deshalb keine Kavaliersdelikte.

“Eine Zwei-Klassen-Medizin” drohe Deutschland nicht nur, so die Südwest-Presse, “es gibt sie längst. Für diese Erkenntnis wäre keine Umfrage von Kölner Forschern nötig gewesen”, erklärt das Blatt aus Ulm. Ebenso klar stehe es um die Gründe: “Rationierung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Es hilft gar nichts, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sie ständig leugnet. Dass die betroffenen Patienten darüber klagen, ist nur zu gut verständlich. Aber es gibt nur ein Gegenmittel: mehr Geld für das chronisch unterfinanzierte Gesundheitswesen. Steigende Kassenbeiträge passen aber nicht zum Versprechen.”

Eine Zwei-Klassen-Medizin diagnostiziert auch die Volksstimme aus Magdeburg. “Gefühlt haben wir es ja schon lange“, nun habe es die Studie wissenschaftlich nachgewiesen. “Weil du arm bist, musst du früher sterben?“, folgert das Blatt aus Magdeburg, räumt aber ein, dass dieser Zusammenhang allerdings noch nicht wissenschaftlich erwiesen sei. “Aber dass Kranke beim Warten auf den Arzt nicht gesünder werden, ist mehr als nur eine gefühlte Wahrheit. Politiker, Kassen und Ärzteschaft üben sich in Schuldzuweisungen.” Dabei trage jeder Schuld: “Die Politiker, weil sie die Rahmenbedingungen nicht ändern. Die gesetzlichen Kassen, weil sie die Budgetierung auf die Spitze treiben. Die Ärzte, weil sie die Möglichkeit des Mehrverdienens am privaten Patienten schamlos ausnutzen.” Gemeinsam müsse man nach Verbesserungen suchen, fordert die Volksstimme.

Auch der Schwarzwälder Bote aus Oberndorf sieht ob der Vorzugsbehandlung von Privatpatienten den frühen Tod der Kassenpatienten voraus: “Wer arm ist, muss also eher sterben.” Das jedenfalls suggeriere die Kölner Studie. Dass Kassenpatienten länger auf einen Termin warten müssen als Privatversicherte, sei ein Ärgernis. “Gleichbehandlung ließe sich nur über gleiche Honorare erreichen. Eben das fordert Karl Lauterbach, der gesundheitspolitische Dauernörgler: Aus seinem Haus kommt die Studie.”

“Jetzt offenbart sich”, so die Westfälischen Nachrichten, “welche neue Welt durch das Bündel von Reform- und Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen auch geschaffen wird.” Die Ungleichbehandlung in den Wartezimmern vieler Fachärzte sieht das Blatt aus Münster als Indiz für einen harten Wettbewerb: “Ärzte, die nicht nur Mediziner, sondern auch unternehmerisch denkende Freiberufler sind, müssen mehr denn je entscheiden, mit welchen Einnahmen sie am Ende eines Quartals ihre Kosten decken wollen. Dass dies zulasten von Mitgliedern gesetzlicher Krankenkassen gehen würde, die sich im März um einen Termin im Mai bemühen müssen, war absehbar. Ärgerlich bleibt dies dennoch.”

Die Ostsee-Zeitung aus Rostock hat Verständnis für die Praxis der Fachärzte: “Jeder Handwerker würde nach lukrativen Aufträgen suchen, um Defizite auszugleichen.” Dagegen werde einem Mediziner “nicht zugestanden, seine Praxis mit Privatpatienten über Wasser zu halten, deren Kassen jede Untersuchung und Behandlung anstandslos und sofort bezahlen. Man mag es moralisch bekritteln, dass ein Arzt nicht nur an die Gesundheit anderer denkt. Aber er lebt nicht vom Hippokratischen Eid allein, er kann anderen nur helfen, wenn er selbst sicher da steht.”

“Privatpatienten bringen dem Arzt mehr Geld, zumal gegen Quartalsende, wenn das Budget der Kassen für Behandlungen ihrer Patienten erschöpft ist”, stellt das Obermaintagblatt aus Lichtenfels nüchtern fest. Aus Ärztesicht sei das Terminprivileg daher nur ökonomisch vernünftig und werde wohl auch von Privatpatienten aufgrund ihrer meist höheren Beitragszahlungen als gerecht empfunden. “Heikel wird’s, wenn Rentabilität schwerer wiegt als die medizinische Notwendigkeit. Einen Kassenpatienten mit Krebsverdacht wochenlang auf die Magenspiegelung warten zu lassen, nur weil für die Untersuchung wenig Geld fließt, wäre pervers.”

Zusammengestellt von Nona Schulte-Römer
Adresse:
http://www.n-tv.de/942603.html

Kommentare zu "Privatpatienten bevorzugt"

    Bisher keine Kommentare

RSS feed für die Kommentare des Eintrags · TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Du mußt die 5 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F),
in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Download zu starten.

  

Ohje, das kann ich nicht lesen. Bitte, generiere mir eine