Erzbischof Zollitsch: Für den Zölibat, gegen Abtreibung
(stuttgarter-zeitung.de/news.stjosef.at) In einem Interview mit der “Stuttgarter Zeitung” nahm der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch am 29.04.2008 aus Freiburg zu Fragen der Kirche und des gesellschaftlichen Lebens Stellung. Er verstehe sich abseits aller Etikettierung “im guten Sinne als Konservativer, allerdings als einer, der nach vorne schaut.”
Es gelte für die Kirche, “Gruppen und Kreise zu schaffen und Gottesdienste so zu gestalten, dass Kirche als eine lebendige Gemeinschaft des Glaubens erlebt wird.” Seinen Erfolg als Vorsitzender der DBK wolle er daran messen, “ob die Sensibilität für Glauben und Religion zunimmt und ob es uns gelingt, verstärkt auch junge Menschen anzusprechen.” Hier gibt es konkrete Erfolge: “Wir haben in Freiburg nach dem Weltjugendtag ein Jahr der Berufung initiiert. Die Folge war, dass wir im vergangenen Jahr mit 22 Neuaufnahmen ins Priesterseminar doppelt so viele hatten wie im Jahr davor.” Würde die Lockerung des Zölibats bei der Nachwuchsgewinnung helfen? wird der Bischof von der Zeitung gefragt. Zollitschs Antwort: “Die Ehelosigkeit ist einerseits neben vielen anderen Faktoren eine Hürde. Andererseits stellt der Zölibat jeden jungen Mann auch vor die Frage, ob Gott die entscheidende Wirklichkeit für ihn ist, auf die er sein Leben ganz setzt. Der Zölibat ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch eine gewaltige geistige Kraftquelle.” Die mit Rom verbundenen Ostkirchen “haben eine andere Tradition. Im Westen verbinden wir Priestertum und Ehelosigkeit. Eine Änderung würde einen gewaltigen Wandel innerhalb der Weltkirche bedeuten. Bischöfe aus Afrika oder Asien etwa haben für diese deutsche Diskussion kein Verständnis. Ich gehe davon aus, dass der Zölibat noch lange bleiben wird.” Frauen können die Priesterweihe nicht empfangen, denn: “Dem früheren Papst Johannes Paul II. zufolge ist die Tatsache, dass Jesus nur Männer als Apostel berufen hat, eine so hohe Verpflichtung für die Kirche, dass sie sich im Blick auf das Weiheamt darüber nicht hinwegsetzen kann.” Man dürfe theologische Fragen “nicht einfach in gesellschaftliche Fragen umdeuten. Es gibt einen naturgegebenen Unterschied zwischen Mann und Frau sowie die kirchliche Tradition. Unsere Kirche lebt stark vom Engagement der Frauen. Diese aktiv zu fördern war und ist mir ein Anliegen.” Der jetzige Papst Benedikt XVI. werde “oft falsch eingeschätzt. Bei meinem Besuch in Rom hat er sich für die Fragen der Zeit sehr aufgeschlossen gezeigt.” Mit der Ermöglichung der “alten Messe” möchte er “den kleinen Gruppen entgegenkommen, die den Wert dieser Messe schätzen. Damit versucht er, die große Bandbreite des Katholischen aufzuzeigen.” Beim nächsten Ökumenischen Kirchentag werde es kein gemeinsames Abendmahl geben: “Die theologischen Unterschiede sind hier noch zu groß. Es wäre schade, wenn der Streit darüber das gemeinsame Zeugnis auf dem Kirchentag verdecken würde.” Den Erzbischof “bedrückt, dass der Bundestag den Stichtag bei der Gewinnung von embryonalen Stammzellen verschoben hat. Menschen werden so zu Objekten. Sie werden am Anfang des Lebens getötet, um anderen zu helfen.” Für Deutschland fordert Zollitsch einen menschlichen Umgang miteinander. Man sollte sich insbesondere “menschenwürdig um die Kranken, Behinderten und Sterbenden kümmern. Die Lockerung beim Embryonenschutz sehe ich als Dammbruch. Für problematisch halte ich auch die aktuelle Abtreibungsregelung, die zum Beispiel einen Abbruch in den ersten drei Monaten straffrei zulässt. Damit entsteht der Eindruck, als sei eine solche Tat völlig akzeptiert. Der auch vom Verfassungsgericht formulierte Unrechtsgehalt wird nicht hinreichend sichtbar. Dies ist sehr bedenklich.” Im Lebensschutz findet der Erzbischof klare Worte: “Wir sind als Kirche prinzipiell gegen Abtreibung. Eine besonders schwere Form ist die Spätabtreibung. Ich halte es für unmenschlich, dass ein Kind wegen einer Behinderung auch noch kurz vor der Geburt getötet werden kann. Wir sind dankbar für eine neue Initiative im Deutschen Bundestag, die dem Schutz des ungeborenen Lebens Rechnung tragen will.”




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