Köhler: “Demokratie nicht selbstverständlich”

Bundespräsident Horst Köhler hat zu mehr Engagement für die Demokratie aufgerufen. Das Gemeinwesen in Deutschland sei gefestigt, Demokratie aber “keine Selbstverständlichkeit”, sagte Köhler am Samstag beim Katholikentag in Osnabrück. Er dankte den Kirchen, die dazu beigetragen hätten, dass die Voraussetzungen der Demokratie in Deutschland durch Wertebewusstsein und Bereitschaft zu Verantwortung stark seien.

Zugleich bekräftigte der Bundespräsident seine Kritik an wirtschaftlichen Auswüchsen und mahnte mehr weltweite Gerechtigkeit an. Wenn Finanzmärkte implodierten, hätten Millionen die Kosten zu tragen. Er wolle das Primat der Politik auch in diesem Bereich gesichert sehen. “Zu viel steht auf dem Spiel, wenn diese Märkte außer Kontrolle geraten.” Köhler plädierte unter anderem für strengere Regeln bei der Finanzmarktaufsicht und mahnte Moral, Tugend und Verantwortlichkeit an. Der oft von Beifall unterbrochene Bundespräsident warnte auch vor einem immer weitergehenden Sicherheitsdenken. Es dürfe nicht zu einer Einschränkung der Freiheit kommen.
Köhlers erster öffentlicher Auftritt nach der Ankündigung der erneuten Kandidatur im Mai 2009 war ein Gespräch mit dem früheren Chef des Weltwährungsfonds, Michel Camdessus, und dem tschechischen Philosophen Jiri Grusa. Nach der Podiumsdiskussion ging Köhler knapp 30 Minuten über die Kirchenmeile und besuchte die Stände der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Dabei wurde er von Katholikentagsbesuchern begeistert gefeiert.

(kna 25.05.2008 mc)

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