Vatikan: Versöhnung mit Lefebvristen unwahrscheinlich?
Geronimo | 2. Juli 2008Die Hand des Papstes sei weiterhin zur traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. ausgestreckt. Das bekräftigte Vatikansprecher Federico Lombardi gegenüber der französischen Zeitung “La Croix” vom Mittwoch.
Jüngste Initiativen des Heiligen Stuhls stellten die Gültigkeit des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Liturgiereform nicht in Frage, so der Jesuit weiter. Lombardi bestätigte damit, dass am 4. Juni der Vorsitzende der Kommission “Ecclesia Dei” einen Brief an den Leiter der Bruderschaft Bernard Fellay geschrieben hat. In dem waren fünf “Minimalforderungen” aufgezählt worden, wie die Zusicherung, von negativen Pressestatements abzusehen oder kein Lehramt zu beanspruchen, das über dem Papst steht. Das war fälschlicherweise so gedeutet worden, dass der Vatikan auf die Anerkennung des Zweiten Vatikanums oder der Liturgiereform verzichtet habe.
Derweil kritisierte der Leiter der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, den neuen Vorschlag. Bei einem Seminar in Winona in Minnesota (USA) bemängelte er, dass der Papst zwar einerseits die Exkommunikation aufheben wolle, andererseits aber von den Traditionalisten verlange, nicht mehr auf dem bisherigen Weg weiterzugehen. “Wir haben keine Wahl, wir machen so weiter wie bisher. Wir wollen keine Tür zuschlagen. Der Vatikan ist es, der uns dazu zwingt.”
(apic/ansa 26.06.2008 mc)
Nachtrag: 1
“Papst-Angebot? Nein, danke”
Die “Pius-Bruderschaft” lehnt eine Annäherung zum Papst ab. “Die Geste des Papstes, dessen guten Willen wir anerkennen, hat uns gefallen, aber sie reicht nicht aus.” Das sagte Richard Williamson gegenüber der italienischen Online-Zeitung “Petrus”. Williamson ist einer der vier Weihbischöfe der “Pius-Bruderschaft”. Sie wird weltweit vom exkommunizierten Schweizer Bischof Bernard Fellay geführt. Weiter sagte Williamson wörtlich, in der Kirche herrsche “ein Krieg zwischen dem gesunden Traditionalismus und dem nachkonziliaren Modernismus”. Niemals werde die Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil anerkennen.
(kipa 28.06.2008 mg)
Nachtrag 2:
Frankreich: Pius-Bruderschaft lenkt nicht ein
Keine Einigung mit den Traditionalisten: Die vom exkommunizierten Schweizer Bischof Bernard Fellay geführte weltweite Priesterbruderschaft Pius X. geht nicht auf Vorschläge des Vatikans ein, die es erlauben sollen, die Traditionalisten wieder in die Kirche zu integrieren. 1988 weihte Erzbischof Marcel Lefebvre gegen päpstliches Verbot vier Bischöfe, was die Exkommunikation zur Folge hatte. Bevor die Fragen der Doktrin, die sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil stellten, nicht geklärt seien, werde es keinerlei praktische oder kirchenrechtliche Abmachungen mit dem Vatikan geben können, bekräftigte Abbé Alain Lorans, Sprecher der Priesterbruderschaft Pius X. in Ecône, am 27. Juni gegenüber der französischen Nachrichtenagentur afp. - Der zuständige Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos hatte die Priesterbruderschaft am 4. Juni aufgefordert, bis zum 28. Juni eine fünf Punkte umfassende Erklärung zu unterzeichnen. Darin fordert der Vatikan die Traditionalisten unter anderem zur Anerkennung auf, dass es keine über dem Papst stehende Lehrautorität gibt; auch sollen sie sich nicht öffentlich in Gegensatz zum Papst stellen. Erst dann könne man über das Ende der Exkommunikation reden.
(kipa 30.06.2008 bp)




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