Die Bischofskonferenz in Fulda aus Korrespondentensicht

Sachlich, offen, spannend.
Vier Tage lang debattierten, beteten und studierten die deutschen Bischöfe in Fulda. Auf der Tagesordnung ihrer Herbstvollversammlung standen eine gemeinsame Erklärung zum Moscheebau, ein Studientag zum Thema Medien und zahlreiche Einzelfragen zu Liturgie und Ökumene. Am Freitag stellte der neue Vorsitzende Robert Zollitsch die Ergebnisse vor. Birgit Pottler war für Radio Vatikan vor Ort, Pater Max Cappabianca hat sie nach ihren Eindrücken gefragt.

Ein Fazit der Vollversammlung aus Korrespondentensicht?

Es scheint ein sachliche, stringente und einmütige Versammlung gewesen zu sein, diese erste unter dem Freiburger Erzbischof. Robert Zollitsch steht für präzise Zusammenfassungen, kurze Einführungen und große Offenheit für Fragen und Diskussion. So hat er sich den Journalisten gegenüber präsentiert, und das hat sicher auch die Versammlung der Bischöfe geprägt. Kardinal Lehmann ist dabei aber keineswegs in die kontrollierende, beobachtende “Ex-Vorsitzenden”-Rolle geschlüpft, sondern scheint voll und ganz in seinen neuen Aufgaben in der Glaubenskommission aufzugehen. Zollitsch betonte die gute Atmosphäre der Versammlung und die große Gemeinsamkeit. Keine Frage sei unausgesprochen geblieben und die Bischöfe hätten bei jeder Entscheidung einen Konsens gefunden. Das scheint mir bemerkenswert, schließlich standen ja durchaus Punkte auf der Tagesordnung, Moscheebau und Alte Messe zum Beispiel, zu denen sie im Vorfeld mitunter unterschiedliche Positionen hatten.

Der Vorsitzende war klar die wichtigste Neuerung dieser Vollversammlung. Gab es auch thematisch neue Aspekte oder gar Überraschungen?

Überraschend war zunächst aus Journalistensicht die Ankündung, über die katholische Sexualethik und die als “Pillenenzyklika” in Misskredit geratene Enzyklika “Humanae Vitae” nachzudenken. Gegen solche - so Zollitsch - einseitigen Interpretationen wollen die Bischöfe neue Überlegungen einbringen, vor allem jungen Menschen eine Verständnishilfe bieten und dabei den ganzen Komplex von personaler Liebe, Partnerschaft, Treue ansprechen, anstatt sich auf ein Nein zur Empfängnisverhütung reduzieren zu lassen. Das betont Zollitsch. Er wollte dieses Thema und für die Bischöfe war es daher wohl auch alles andere als überraschend, doch im schriftlichen Pressebericht zum Abschluss tauchte es nicht auf. 1968 hatte der deutsche Episkopat ja mit der so genannten “Königsteiner Erklärung” in Fragen der Empfängnisverhütung die Gewissensentscheidung der Eheleute stärker betont. Kardinal Meisner fordert seit Jahren laut eine Korrektur. Die soll es laut Zollitsch jedoch nicht geben. Bis zum Frühjahr muss jetzt Kardinal Lehmann, der ja selbst als langjähriger Episkopatsvorsitzender mit dieser Diskussion konfrontiert war, mit der Glaubenskommission einen Kompromiss erarbeiten.
Wirklich neu waren für viele Bischöfe die technischen Neuerungen der Medienwelt. Einen Tag lang informierten sie sich über Medienverhalten und Möglichkeiten. Zeitung, Radio, Fernsehen - das kennen wir, hieß es, aber im Internet da waren viele wohl noch nicht “wirklich drin”. Den Herren machte es Freude, sie sponnen Ideen und warten jetzt gespannt auf bewegte Bilder von Gottesdiensten im Netz - oder zumindest auf erste Vorschläge ihrer Medien- und Finanzexperten.

Was war also die Quintessenz dieser Vollversammlung, was die wichtigste Entscheidung? Wie geht es weiter?

Die Quintessenz: Wir müssen nach vorne schauen und uns nicht vor gesellschaftlichen Neuerungen, ob sie uns nun gefallen oder nicht, verschließen. Vom ersten bis zum letzten Tag riefen die Bischöfe in ihren Predigten und Erklärungen zum mutigen Glaubensbekenntnis auf, zum Bekenntnis und Engagement in der Öffentlichkeit. Die wichtigste Entscheidung mit Außenwirkung war zunächst die Orientierungshilfe zur Diskussion um den Moscheebau. Doch die Fragen nach der Sexualmoral und dem Medienauftritt werden die Bischöfe und damit die Kirche in Deutschland ja auch in Zukunft beschäftigen. Zollitsch hat ja zu neuen Schritten in der Seelsorge aufgerufen, um die Menschen besser zu erreichen. Von seinen Bischofskollegen, so sagt er, hat er “sehr viel Zustimmung erfahren”. Ich bin gespannt - auf diesen neuen Weg der Verkündigung und auf die Reaktionen.

(rv 27.09.2008 bp)

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