Die letzten Tage im Kanzlerbunker (VI).

Was bisher geschah: Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind zu Jahresanfang 2007 in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Die Regierung hat die Bundestagswahlen gefälscht, die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Wiederholung wird von den Hartz-Gegnern aus Furcht vor weiteren Manipulationen abgelehnt.

Samstag, 17.25 Uhr. Noch 14 Stunden und 35 Minuten bis zur Öffnung der Wahlllokale. Im atombombensicheren Keller des Bundeskanzleramts saß Minu Barati, Joschka Fischers fünfte Ehefrau, vor ihrem Schminktisch und weinte bitterlich. In ihrer kleinen Faust hielt sie einen zerknüllten Zeitungsartikel, warf ihn auf den Boden, trat mit spitzen Absätzen darauf herum. Laut aufheulend krümmte sie sich zusammen und verschränkte die Arme über dem Bauch, beugte sich schließlich nach unten, hob den Papierfetzen wieder auf und strich ihn glatt. “Sie ist schon wie eine moderne Soraya: Augen wie Schokoladenplätzchen, rote volle Lippen, elegant, weiblich, sinnlich. Selbst ihr Name ist sexy: Minu, das läßt man sich auf der Zunge zergehen, da fangen Männer das Träumen an, und Frauen, die Helga heißen, werden ein bißchen neidisch.”

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Die letzten Tage im Kanzlerbunker (V).

Was bisher geschah: Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind zu Jahresanfang 2007 in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Die Gegner des Gesetzespakets kontrollieren große Teile der Hauptstadt und die meisten neuen Bundesländer.

Freitag, 17.25 Uhr. Noch 38 Stunden und 35 Minuten bis zur Öffnung der Wahllokale. Wladimir Kaminer wartete auf Angela Merkel. Der eiskalte Januarwind pfiff ihm um die Ohren, ab und zu peitschten Windböen mit Eiskristallen sein Gesicht ­ oben auf der Siegessäule war es nicht gerade angenehm. Der drahtige Russe lud das Magazin seiner G-22 nach ­ ein Scharfschützengewehr, mit dem man einem Spatzen auf 1500 Meter das Gehirn herausschießen kann. Doch hier ging es nicht um einen Spatzen, sondern um eine ziemlich fette Henne.

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Die letzten Tage im Kanzlerbunker (IV).

Was bisher geschah: Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind zu Jahresanfang 2007 in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Oppositionsführerin Merkel und Bundeswehr-Generalinspekteur Schneiderhan sind auf dem Weg durch das umkämpfte Berlin zum Kanzleramt, um mit Schröder das weitere Vorgehen zu beraten.

Zur selben betrachtet der Bundesaußenminister die deutschen Goldreserven und fühlt sich wie Siegfried vor dem Schatz der Loreley. Dreieinhalb Tonnen lagern da, säuberlich in Barren gestapelt, hinter einem dünnen Stahlgitter, an dem der Bundesadler prangt. “Eichels Pleitegeier”, denkt Fischer, “ist meine Lebensversicherung.” Kurzentschlossen hatte sich der Außenminister an diesem Freitagmorgen mit einem Hubschrauber der Bundesluftwaffe nach Spangdahlem fliegen lassen, von dort war es mit einer C-130 Hercules der US Air Force weiter nach New York gegangen. Jetzt stand er in diesem Felsenkeller auf der Halbinsel Manhattan, 24 Meter unter den Straßen der Millionenstadt. Dort verwahrt die Federal Reserve Bank den größten Teil des Goldschatzes der Bundesbank und sechzig weiterer Zentralbanken sowie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einem gigantischen Tresor: der Mantel des Stahlzylinders ist drei Meter dick und wiegt 82 Tonnen. Während des Zweiten Weltkrieges waren fast neunzig Prozent der Weltvorräte des gelben Edelmetalls in die USA gewandert, im Ausgleich gegen Rüstungslieferungen. Seit den fünfziger Jahren erwirtschaftete die Bundesrepublik einen Überschuß im Außenhandel mit den USA, und im Gegenzug war ein Teil des Goldschatzes wieder in deutschen Besitz übergegangen. Doch anstatt die Barren über den Atlantik zurückzutransportieren, war das deutsche Gold an Ort und Stelle geblieben, wenn auch in einem separaten Käfig, der formell deutsches Hoheitsgebiet war.

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Die letzten Tage im Kanzlerbunker (III).

Was bisher geschah: Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind zu Jahresanfang 2007 in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Zwei Tage vor der Wiederholung der Bundestagswahlen, die vom Bundesverfassungsgericht wegen grober Unregelmäßigkeiten angesetzt worden ist, ist Deutschland wieder ein geteiltes Land. Die Hartzgegner haben die Macht vor allem in den neuen Bundesländern übernommen und eine provisorische Gegenregierung ausgerufen. Den erneuten Urnengang halten sie für betrügerisch und wollen ihn verhindern.

Freitag früh, 6.45 Uhr. Noch genau 49 Stunden und 15 Minuten bis zur Öffnung der Wahllokale. Scheißwetter. Über den Flughafen Tempelhof zog gerade ein mittleres Biskayatief und schüttete mehrere Kubikkilometer Atlantischen Ozean herunter. Ab und zu kreuzte ein Transall-Rosinenbomber in niedriger Höhe die Landebahnen und warf eine Ladung Lebensmittel ab. Kreuz und quer auf dem Rollfeld standen Jeeps, Unimogs und LKWs und kurvten scheinbar sinnlos von A nach B. Schneiderhan spürte, wie ihm die Regentropfen unterm Uniformkragen hindurchschlüpften und sein Hemd, sein Unterhemd, seine Haut erreichten. Er war Generalinspekteur der Bundeswehr, verdammt! Warum ließ die Merkel ihn hier im Regen warten? Ärgerlich winkte er die Ordonanz heran, ließ sich einen Feldstecher geben, suchte das weite Tempelhofer Rund ab. Mächtig beeindruckend, was der Speer damals hingeklotzt hatte. Das hielt was aus, das war für die Ewigkeit gebaut. Endlich näherten sich aus Westen drei kleine Punkte, wurden schnell größer, dröhnten über dem Rollfeld. Apache-Hubschrauber der Amerikaner ­ typisch, daß die Merkel sich der Bundesluftwaffe nicht mehr anvertrauen mochte. Schneiderhan hatte die Frau noch nie leiden können.

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Die letzten Tage im Kanzlerbunker (II).

Was bisher geschah: Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind zu Jahresanfang 2007 in der Bundesrepublik schwere

Unruhen ausgebrochen. Die Bundestagswahlen vom 20. Dezember 2006 müssen auf Beschluß des Bundesverfassungsgerichts wegen grober Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung wiederholt werden. Die Parteien der Hartzgegner rufen zum Boykott dieser Wiederholung auf und haben in weiten Teilen der Republik, vor allem in den neuen Bundesländern und in einigen Bezirken Berlins, die Macht übernommen.

Der Countdown lief ­ noch 72 Stunden bis zur Öffnung der Wahllokale. Schröder schlief unruhig in den anbrechenden Donnerstag hinein. Hatte er alles richtig gemacht in seinem Leben? Die grellbunten Quallen, die hinter seinen geschlossenen Lidern flimmerten, verformten sich zu Figuren, Szenen. Da war Hillu. War das richtig gewesen, sie einfach so… Andererseits, sie hatte ihn gequält, mit ihrem ewigen Schnitzel- und Wurst-Boykott, und dann dieser Greenpeace-Quatsch, und am Abend immer mit dem Hund rausgehen. Nein, das musste ein Ende haben, und wenn sich die BILD-Reporter noch so sehr das Maul zerrissen …. Schröder fuhr zusammen, als er eine eiskalte Hand an seiner Schulter spürte.

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Die letzten Tage im Kanzlerbunker (I).

Der Untergang

DER UNTERGANG – Die letzten Tage im Kanzlerbunker. Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Eine Zukunftsgeschichte aus dem Jahre 2007. Mit anderen Personen wäre dieses Scenario auch in ferner Zukunft vorstellbar. Der Artikel folgt in 6 Teilen. Damals erschienen in “Telepolis” im Heise-Verlag, der leider nicht mehr Online ist. Die Leser können nach dem 6. Teil selbst weiter schreiben oder es endet hier.

Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Eine Zukunftsgeschichte aus dem Jahre 2007.

Die Augenbrauenwülste über der Nasenwurzel berührten sich fast, Schröder kniff die Augen zusammen. “Dahinten kommen sie endlich. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.” Quer durch den Tiergarten rasselten die angeforderten Leopard-Panzer auf das Bundeskanzleramt zu. Als die ersten stählernen Kolosse auf die Wiese vor dem Reichstag bogen, war das Ende der Schlange immer noch auf der Straße des 17. Juni. “Das können gut und gerne 200 sein. Was meinst Du, Joschka, reicht das?”

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